25. Februar 2010

Uli Schippels zur Problematik Altmedikamente

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren

Im Juni 2009 hat die VfW REMEDICA die kostenfreie Abholung und Entsorgung von Altmedikamenten aus Apotheken eingestellt.

Die Auswirkungen sind verheerend. Wir sind dankbar, dass der SSW dieses Thema aufgegriffen hat, um es in die politische Diskussion zu bringen. Eigentlich hätte die Landesregierung von sich aus die Initiative ergreifen müssen.

Viele alte Arzneimittel werden nun nicht mehr sachgerecht entsorgt, sie landen im Hausmüll oder im Abwasser. Die Apotheken – z.B. hier in Kiel – wissen nicht, wohin mit den alten Medikamenten.

Inzwischen ist aufgrund der fehlenden fachgerechten Entsorgungsmöglichkeit von Medikamenten z.B. das Schmerzmittel Diclophenac im Abwasser nachgewiesen worden. Diclophenac kann  bei Fischen zu Nierenschäden führen.

Andere im Abwasser nachgewiesene Mittel sind z.B. Hormone aus Antibabypillen. Diese lassen z.B. Wassertiere das Geschlecht wechseln.

Selbst im Trinkwasser wurden inzwischen schon Spuren von Medikamenten gefunden. Bei einer Probe aus dem Reichstag beispielsweise ein Mittel für Epileptikerinnen und Epileptikern – bei uns im Landtag ist noch nicht nachgemessen worden -, an anderen Stellen ist Diclophenac nachgewiesen worden, vereinzelt auch Clofibrinsäure. Allerdings in so winzigen Mengen, dass Experten darin zum Glück (noch) kein Risiko sehen.

In der Stadt Berlin gibt es inzwischen ein Projekt, die alten Arzneimittel über den regionalen Abfallentsorger einzusammeln.

Eine Lösung für Schleswig-Holstein, für die Bundesrepublik muss her. Da haben wir eine andere Position als die FDP. Wenn sie schon keine Bundesregelung wollen, dann machen sie es doch im Land, wie das Bundesland Berlin.

In der Pflicht sind unserer Meinung nach in erster Linie die Hersteller der Medikamente, sie müssen nach der jüngsten Novelle der Verpackungsordnung für das Duale System bezahlen.

Als Nebenwirkung weigern sich die Pharmaunternehmen jetzt, die alten Arzneimittel entgegenzunehmen. Das mag für ihr Geschäft gut sein. Denn die Krankheiten, die durch eine nicht sachgerechte Entsorgung der Altmedizin entstehen, müssen dann ja auch – vielleicht medikamentös – behandelt werden.

Für die Menschen ist es aber eine Gefahr. Und aus Berlin – ich meine hier die Bundesregierung und den größten Lobbyisten der Pharmaindustrie, den sogenannten Gesundheitsminister – kommt nichts, nicht einmal heiße Luft. Es gibt da ja auch nichts zu verdienen.

Wie ich schon sagte: In der Verantwortung steht die Pharmaindustrie. Und ein Blick auf deren wirtschaftliche Lage dürfte so manchen vor Neid erblassen lassen. Selbst im globalen Krisenjahr 2009 gelang es den Branchenvertretern, ihre Gewinne stabil zu halten: Zweistellige Nettoumsatzrenditen sind keineswegs Ausreißer sondern eher die Regel.

Die Pharmaindustrie tanzt der Politik (vor allem dem Gesundheitsminister Rössler) auf der Nase rum. Besser gesagt: Rössler tanzt mit der Pharmaindustrie auf unserer Nase rum.

Die Hersteller müssen endlich gesetzlich verpflichtet werden, die Arzneimittel zurückzunehmen, zusätzlich bedarf es endlich einer Positivliste für Arzneien, denn die jetzige Gesundheitspolitik ist eine Gelddruckmaschine für die Pharmariesen. Aber das ist ein anderes Thema.

 

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