26. Februar 2010

Björn Thoroe zum Tourismus im Wattenmeer

Herr Präsident/Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,

ich selber war in meiner Kindheit oft an der Westküste am Wattenmeer. Ich war sehr fasziniert von den Wattwürmern, den Prielen und vor allem von den Gezeiten. Ich möchte, dass alle Kinder die Möglichkeit haben dieses unglaublich faszinierende Naturschauspiel zu erleben. Und dies möglichst noch lange Zeit.

Dass das Wattenmeer nun vor nicht allzu langer Zeit Weltnaturerbe geworden ist, freut mich sehr. Mit dieser Auszeichnung ist vor allen Dingen eine große Verantwortung verbunden. Leider glaube ich, noch nicht alle hier haben dies begriffen.

Wie sonst wäre es möglich Mittel für FÖJ-Stellen zu kürzen. Ein Großteil der FÖJ-Stellen befindet sich an der Westküste. Die Menschen, die dort arbeiten, helfen mit das Wattenmeer zu verstehen und zu erhalten.

Warum, frage ich mich, wird es zugelassen, dass im Wattenmeer nach Öl gebohrt wird? Warum gibt es keinen wirksamen Schutz vor Fischfang mit Schleppnetzen?

Der Hauptteil des Berichtes befasst sich mit den Möglichkeiten das Wattenmeer als Tourismusgegend weiter voranzubringen. Vom Prinzip her erst einmal ein guter Ansatz. Sehr schnell allerdings wird klar, wer an der Nordsee Urlaub machen darf und wer unerwünscht ist. Erwünscht sind laut dem von Roland Berger erstellten und in der großen Koalition beschlossenen Tourismuskonzept für Schleswig-Holstein anspruchsvolle Genießer, Familien mit kleinen Kindern und mittleren oder hohem Einkommen sowie „Best Ager“. Zum besseren Verständnis: "Best Ager" sind besser betuchte zwischen Mitte 50 und Mitte 70. Für sie sollen je nach Wunsch Golfplätze, Hochkultur oder Reitgelegenheiten vorgehalten werden.

Eher nicht erwünscht sind alle anderen. Also zum Beispiel Rucksack- und Fahrradtouristen sowie Familien mit niedrigem Einkommen.

DIE LINKE hat ein anderes Verständnis von Tourismus. Wir wollen, dass alle Urlaub am Wattenmeer machen können. Für Familien mit kleinem Einkommen wäre es zum Beispiel hilfreich, wenn sich die Landesregierung auf Bundesebene dafür einsetzen würde, dass Kuren wieder leichter genehmigt und von den Krankenkassen bezahlt werden. Für die Region am Wattenmeer mit ihrer gesundheitsfördernden Nordseeluft wäre dies ein großer Gewinn. So könnten auch Familien mit niedrigem Einkommen ebenfalls am faszinierenden Weltkulturerbe Wattenmeer teilhaben.

Außerdem könnten mehr günstige Übernachtungsmöglichkeiten für Schulklassen am Wattenmeer geschaffen werden. So würde die Teilhabe vieler junger Menschen am Weltkulturerbe Wattenmeer gefördert.

Um ein besseres Angebot für Rucksack- und Fahrradtouristen zu verbessern, wäre es gut, wenn mehr Übernachtungsmöglichkeiten für eine Nacht an der Westküste angeboten werden würden. Diese sind laut dem allgemeinen deutschen Fahrradclub in Schleswig-Holstein nicht im ausreichenden Maße vorhanden.

Der Nebeneffekt dieser Maßnahme wäre solche meist jüngeren Touristinnen und Touristen langfristig an die Region zu binden. Dann werden sie auch dann noch in der Region am Wattenmeer Urlaub machen, wenn aus Menschen mit kleinem Portemonnaie und großem Gepäck Menschen mit kleinem Gepäck und großem Portmonnaie geworden sind.

DIE LINKE wird sich im Landtag dafür einsetzen, dass das Weltkulturerbe Wattenmeer für alle Menschen egal ob arm oder reich zu einer erschwinglichen Urlaubsregion wird.