28. Januar 2010

Ellen Streitbörger zum Bericht zum Hochschulcontrolling

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

ich habe den Bericht der Landesregierung über Erkenntnisse aus den Berichten der Hochschulen zur Zielvereinbarungsperiode 2004 bis 2008 gelesen und hatte den Eindruck ein recht aussagefreies Werk gelesen zu haben. Der Informationsgewinn aus dem laufenden Hochschulcontrolling hatte für mich wenig Aussagekraft.

Und auch der Wert ist für mich fraglich, da die Unis und Fachhochschulen die Erreichung ihrer Zielvereinbarungen offensichtlich selbst einschätzen konnten. So ergab sich im Wesentlichen immer eine „erfreuliche“ Zielerreichungsquote. Ich bin mir nicht sicher, dass das eine passende Vorgehensweise zu einem „Controlling“ ist.

Auch erinnere ich mich noch sehr gut an die Bildungsstreiks und an die Demonstrationen von Studierenden zu ihren schlechten Studienbedingungen.

Liest man den Bericht, fragt man sich: „Was wollen die Studierenden bloß?“ Es ist doch alles „erfreulich“. Die Umformung der alten Studiengänge in die Bachelor- und Masterstudiengänge hat doch - wie man lesen konnte - bestens geklappt.

Insofern scheint Studienwirklichkeit und die Darstellung derselben in diesem Bericht doch ein wenig auseinander zu klaffen.

Auch die Kriterien, nach denen der Bericht erstellt wurde, sind für uns keine Kriterien nach denen gute Bildung bewertet werden sollte. In der Zielvereinbarung aus dem Jahr 2003 mit der Christian-Albrechts-Universität stehen beispielsweise folgende „zentrale Zielsetzungen“ in der Präambel:

„1.Konsolidierung der Hochschulstruktur und des Universitätshaushalts,

2.  Schärfung des Profils zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Lehre,

3. Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Studienstrukturen,

4. Intensivierung der Forschungskompetenz durch neue Arbeitsstrukturen in Netzwerken und Verbundforschungsvorhaben,

5. Etablierung neuer Qualitätssicherungssysteme,

6. Einführung neuer Verantwortungs- und Managementstrukturen.“

 

Dies klingt mehr nach den Vorgaben einer Unternehmensberatung für Großkonzerne. Sparen, Spezialisieren, wettbewerbsfähig werden, Controlling und managen sind nicht die Vorgaben nach denen DIE LINKE Bildung bewertet.

Wir wollen ausfinanzierte Universitäten. Wir wollen Universitäten, an denen Grundlagenforschung betrieben werden kann. Wir wollen Forschung zum Wohle der Umwelt und der Menschen. Wir sprechen uns gegen eine Forschungslandschaft aus, in der wertvolle Arbeitszeit von Forschenden damit vertan wird, Papiere auszufüllen, in denen sie die „Wirtschaftlichkeit“ ihrer Forschungen nachweisen müssen. In dem Bericht werden norddeutsche Universitäten verglichen. Als Qualitätsmerkmal einer Universität gilt zum Beispiel, wenn sie möglichst VIELE Absolventinnen und Absolventen pro Professor aufweisen kann. Dabei sollte man doch meinen, in der sogenannten „Bildungsrepublik Deutschland“ würde es als Qualitätsmerkmal gelten, wenn der Betreuungsschlüssel niedrig ist.

Ziel müsste doch sein, Absolventinnen und Absolvent möglichst intensiv durch viele Professorinnen und Professoren zu betreuen. Das würde die Abbrecherquote deutlich verringern.

Enden möchte ich mit der Äußerung der Mitarbeiter der CAU, die die Zielvereinbarungen als „recht hohle Phrasen“ bezeichneten. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.