28. Januar 2010

Ranka Prante zum Änderungsantrag "Gesetzlicher Vorrang für Erdkabel"

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Diesmal kein Änderungsantrag. Kopenhagen hat uns erneut gezeigt, dass wir auf erneuerbare Energien setzen müssen. Gerade in einem Land wie Schleswig-Holstein müssen wir die vorhandenen Ressourcen nutzen. Die Erzeugung von Windenergie nimmt ständig zu und wird durch Repowering, den Bau neuer Anlagen und Offshore-Windparks weiter ausgebaut. Um die erzeugte Energie einspeisen zu können, sind allein in Schleswig-Holstein 310-kW-Trassen von insgesamt 110 km Länge geplant.

Durch die bisherige verzögerte Netzverstärkung der drei Trassen in Schleswig-Holstein werden allein dort heute schon ca. 15% der Jahresleistung der installierten Windkraftanlagen abgeschaltet, da sie nicht ins Netz gespeist werden können. Das heißt, regenerativ erzeugte Energie wird volkswirtschaftlich vernichtet, während gleichzeitig längere Laufzeiten für Atomkraftwerke gefordert werden.

Das Hochspannungsnetz wird in Deutschland weitgehend mit Freileitungen betrieben. Nur dort, wo sich auf Grund von Unwägbarkeiten, bspw. innerhalb großer Städte, die Mastenvariante nicht umsetzen lässt, findet eine Erdverkabelung statt. Die Verdrahtung mittels Masten wird aus betriebswirtschaftlichen Gründen bevorzugt, da die Anfangsinvestitionen – ich betone: die die Anfangsinvestitionen – im Vergleich zu Erdkabeln deutlich geringer sind.

Erdkabel in Wechselstromausführungen erwärmen sich stärker als Freileitungen, müssen daher bei gleicher Last größer dimensioniert werden, um Schäden durch Überhitzungen zu vermeiden. Auch müssen sie mit einer Ummantelung vom umgebenden Erdreich isoliert werden, die eine lange Lebensdauer gewährleistet. Das führt zunächst zu deutlich höheren Investitionskosten. Dem Anfangsaufwand stehen jedoch deutlich niedrigere Betriebskosten bei Wartung, Unterhaltung sowie geringere Energiedurchleitungsverluste entgegen.

Freileitungen sind gegenüber Sturm- und Eisschäden anfällig und können den Flugverkehr gefährden. Die Anlagen müssen laufend vor Korrosion und vor Bewuchs in den Trassenbereichen geschützt werden. Unterirdisch verlegte Kabel hingegen bleiben in der Regel über die Lebensdauer unberührt. Die höheren Kosten der Freileitung während des Betriebs sind für die Netzbetreiber unwichtig, da sie ohnehin auf die Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt werden. Auch die im Vergleich zu Erdkabeln höheren Leistungsverluste sind deshalb nur in einer volkswirtschaftlichen Betrachtung von größerer Bedeutung.

Der jährliche Verlust bei Vögeln wird mit 400 bis 700 Drahtflugopfern je Kilometer Leitung angegeben – NABU 2005. Die offen hängenden Stromtrassen machen es darüber hinaus erforderlich, einen im Vergleich zur Erdverkabelung breiteren Korridor von Bewuchs freizuhalten. Dies führt gerade in Wald- und Schutzgebieten zu breiten Schneisen von 60 bis 100 Metern Breite und zu einer entsprechenden Beeinträchtigung der Naturräume. Hinzu kommt, dass die weithin sichtbaren Masten eine deutliche Wirkung auf das natürliche Landschaftsbild haben, was für die Tourismusregion Schleswig-Holstein von großer Bedeutung ist.

Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Regen kommt es im Umfeld von Hoch- Höchstspannungsleitungen auf Grund der 50-Hertz-Frequenz und von Entladungen zu einer deutlich hörbaren Lärmbelastung. Neu entstehende Freileitungen mindern teilweise auch den Wert von Grundstücken und Immobilien entlang der Trasse. Der Zubau von Hoch- und Höchstspannungstrassen erfolgt derzeit vorrangig, um den Zubau fossiler Großkraftwerke abzusichern und um den Stromexport massiv auszuweiten. Allein im Jahr 2009 hat Deutschland trotz der Ausfälle von bis zu fünf Atomreaktoren mit 23 Milliarden kWh so viel Strom exportiert wie nie zuvor. Diese Strategie der Bundesregierung, Deutschland zum Export- und Durchleitungsweltmeister bei Elektrizität zu machen, lehnt DIE LINKE ab. Sie befördert die Monopolbildung in der Energiewirtschaft. Wir fordern zum Schutz von Mensch und Umwelt, dass wir endlich andere Stromkabel – Erdkabel – verlegen.

Ich fasse zusammen: Freileitungen haben riesige Energieverluste beim Stromtransport, verschandeln die Landschaft, können bei Sturm umkippen und sind Todesfällen für Vögel. Es kommt hinzu, dass sie Elektrosmog und magnetische Felder erzeugen und dadurch Schlafstörungen, Leukämie und andere Krebsarten beim Menschen bewirken.

Darum sind wir für die Überweisung des Antrags der Fraktion der SPD. Im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung im Land Schleswig-Holstein lehnen wir den Antrag der Fraktionen von CDU und FDP ab.