(Es gilt das gesprochene Wort)
Herr Präsident/Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,
Zu Beginn möchte ich erstmal ein paar kurze Sätze zum Antrag der SPD loswerden: Schicken sie ihn an ihre Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-Pfalz. Dort wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen Land und Bundeswehr über den Einsatz von Jugendoffizieren in Schulen geschlossen. Dort hätte die SPD die Mehrheit ihn zu beschließen.
Sie müssten dann außerdem noch finanzielle Mittel für die Friedensorganisationen zur Verfügung stellen. Es wäre ein äußerst ungleicher Kampf zwischen ehrenamtlichen aus der Friedensbewegung und psychologisch geschulten Jugendoffizieren. Vielleicht sollten Sie darüber noch einmal nachdenken.
Das Jugendoffiziere in Schulen auftreten dürfen, ist skandalös. Schulen haben eine Fürsorgepflicht und Schulen sollten möglichst neutral Wissen vermitteln. Beides wird durch Auftritte von Jugendoffizieren in Schulen oder das Planspiel Pol&IS konterkariert.
Ich habe mir vor einigen Wochen den Auftritt eines Jugendoffiziers angeschaut. Es war ein Auftritt im Berufsbildungszentrum in Gaarden.
Im Publikum saßen größtenteils männliche Jugendliche. teilweise begleitet von betreuenden Sozialarbeitern. Auch einige Elternteile waren dort. Auffällig war die Art der Fragen, die gestellt wurden: Kann ich bei der Bundeswehr eine Berufsausbildung machen? Kann mein Sohn auch schon mit unter 18 zur Bundeswehr? Nimmt die Bundeswehr auch Menschen ohne Schulabschluss?
In Zeiten von immer weniger werdenden regulären Arbeitsverhältnissen ist die Versuchung zur Bundeswehr zu gehen für viele Jugendliche mit unsicheren Zukunftsaussichten eben besonders groß.
Das Arbeit bei der Bundeswehr heißt: Das eigene ich zurückstellen und Befehlen gehorchen. Dass Arbeit bei der Bundeswehr heißt Deutsche Interessen am Hindukusch und in anderen Teilen der Welt durchsetzen. Dass Arbeit bei der Bundeswehr heißt andere Menschen zu erschießen.
Dass Arbeit bei der Bundeswehr heißt vielleicht auch erschossen zu werden. Das alles wird oft erstmal gerne verdrängt. Die Bundeswehr nutzt die verzweifelte Lage junger Menschen gnadenlos aus, um Soldaten zu rekrutieren.
Dabei war der dort anwesende Jugendoffizier zumindest recht ehrlich. Er zeigte zum Beispiel eine Weltkarte mit dem Kommentar: „Wenn sie hin und wieder Nachrichten gucken, werden sie erahnen können, wo es für uns noch hingeht.“ Und auf die Frage, ob die Bundeswehr die Aufgabe habe deutsche Interessen durchzusetzen, wie im Weißbuch der Bundeswehr beschrieben, antwortete er: Ja, natürlich.
Immerhin weniger heuchlerisch als die meisten hier. Hier wird ja immer noch gerne behauptet die Bundeswehr wäre hauptsächlich dazu da Brunnen zu buddeln und Schulen zu bauen.
Unehrlich war der Jugendoffizier allerdings was die Versorgungslage nach Einsätzen anging. Er schwärmte vielmehr von der Rundumversorgung, wenn ein Soldat im Einsatz verletzt würde.
Wie verzweifelt Soldaten werden können, die nach einer Verwundung im Stich gelassen werden, beweist dagegen folgendes Zitat. Es steht auf der Webseite der deutschen Kriegsopferfürsorge:
"Ich war immer fleißig. Ich habe mit vierzehn meine Fleischerlehre begonnen und abgeschlossen. Ich habe meinen Realschulabschluss nachgeholt. Dass ich einmal so enden würde, auf dem Sozialamt, hätte ich nie geglaubt. Die Taliban sind gnädiger als die vom Amt. Die Taliban schießen dir in den Kopf und gut. Das Amt lässt dich langsam verhungern".
DIE LINKE möchte nicht, dass die Logik des Krieges in Schulen vermittelt wird.
DIE LINKE möchte Friedenserziehung in den Schulen.
DIE LINKE möchte nicht, dass Geld für Jugendoffiziere verschwendet wird. DIE LINKE möchte menschliche Arbeit für alle.
Wer dies auch möchte, muss unserem Antrag zustimmen.
Jugendoffiziere gehören abgeschafft! Bundeswehr raus aus den Schulen!