4. September 2010 Dana Tegge

Lehrerstreik in Schleswig-Holstein, die LINKE fordert nachhaltige Investitionen in Bildung.

Text: Dana Tegge, Bildungspolitische Referentin der Fraktion

DIE LINKE unterstützt den landesweiten LehrerInnenstreik und fordert die Landesregierung auf den Sparwahnsinn im Bildungsbereich zu stoppen.

Am 03.06.2010 kam es in zahlreichen Schulen Schleswig-Holsteins zu Unterrichts-niederlegungen. Das Sparpaket der Landesregierung hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Nun nehmen sogar die verbeamteten LehrerInnen ihr umstrittenes Streikrecht wahr und kritisieren offen die aktuellen Einschnitte in der Bildungspolitik.

Die Zukunft der LehrerInnen ist besorgniserregend. Ihnen droht nicht nur eine höhere Unterrichtsverpflichtung, sondern auch weiterhin eine stetige Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.

Die Landesregierung sieht für die nächsten Jahre Streichungen von ca. 3650 LehrerInnenstellen vor. Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen verspricht in diesem Zusammenhang zwar, dass das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülerzahlen trotz des Stellenabbaus auch in den kommenden Jahren konstant zu halten.

Der demografische Wandel und die rückläufigen SchülerInnenzahlen sollten jedoch nicht zum Anlass genommen werden, LehrerInnenstellen abzubauen. Vielmehr kann dies als Möglichkeit verstanden werden, endlich die Qualität in den Schulen zu verbessern. Die LehrerInnen könnten durch die Reduktion von Pflichtstunden entlastet werden; Klassenverbände von 30 SchülerInnen wären Geschichte und individuelle Förderung sowie integrative Bildung wären mehr als nur Tagträumerei.

Die LINKE Landtagsfraktion unterstützt die GEW bei ihren Forderungen nach höchstens 24 SchülerInnen pro Klasse und einer besseren Förderung, u.a. durch den umfassenderen Einsatz von Schulsozialarbeitern, der die Betreuungssituation umfassend verbessern würde.

Mit der Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für die LehrerInnen verschlechtern sich deren Arbeitsbedingungen weiter, die Arbeitsbelastung steigt. Ihnen bleibt weniger Zeit, den Unterricht vorzubereiten oder sich individuell mit der Förderung der einzelnen SchülerInnen zu beschäftigen. Fortbildungsveranstaltungen müssen in der ohnehin knappen Zeit neben der Unterrichtsverpflichtung absolviert werden. Der zeitliche Aufwand dafür findet keinerlei Berücksichtigung. Die Folgen liegen auf der Hand: die Unterrichtsqualität nimmt ab, die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen ist mit zusätzlichen Aufwand und zusätzlicher – auch finanzieller - Belastung verbunden.

Die Zukunft unseres Landes darf nicht durch eine blinde und zerstörerische Sparpolitik gefährdet werden. Man muss über den Tellerrand hinausschauen und sich klar machen, dass ohne Investitionen in Bildung zukünftig viel höhere Kosten auf Schleswig-Holstein zukommen werden. Schleswig-Holstein braucht gut ausgebildete Jugendliche, die als aktive TeilnehmerInnen an der demokratischen Gesellschaft partizipieren und weiterhin den Arbeitsmarkt durch Innovation und Wissen zu bereichern vermögen. Die kommenden Generationen dürfen nicht mit  undurchdachten Einsparmaßnahmen in die Perspektivlosigkeit gedrängt werden. Die notwendigen Zahlungen für Unterstützungsleistungen wie Harz IV würden so weiter ansteigen.

Zudem unterstützt die LINKE die Forderung, das ungerechte Besoldungssystems für die entsprechenden Schulformen zu überarbeiten. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wieso die pädagogische Arbeit einer Grundschul- oder HauptschullehrerIn weniger wert sein soll als die der KollegInnen am Gymnasium. Mit der Etablierung der Gemeinschaftsschulen als neue Schulform sind diese Gehaltsdifferenzierungen noch haltloser geworden“, so Ellen Streitbörger. So erhalten GymansiallehrerInnen an Gemeinschaftsschulen weniger Lohn, als ihre KollegInnen an den elitären Gymnasien.

In diesem Zusammenhang gerät auch die veraltete Ausbildung der pädagogischen Lehrkräfte in die Kritik. „Wir brauchen eine grundlegende Reform der Lehrerausbildung“, so Streitbörger. Die derzeitige Unterscheidung der Ausbildungsgänge gründet sich auf dem veralteten dreigliedrigen Schulsystem. Mit der Einführung der Gemeinschaftsschulen im Rahmen des neuen Schulgesetzes von 2007 wäre bereits eine Anpassung der Ausbildung an die neuen Schulformen notwendig gewesen. Die Unterrichtssituation wird darüber hinaus auch durch den Einsatz von Aushilfskräften der Volkshochschulen oder den Einsatz von Eltern als Vertretungen verschlechtert. Man versucht auch hier Kosten einzusparen, indem man die benötigte Neuanstellung von Lehrern durch den vorübergehenden Einsatz der Kollegen der Volkshochschulen oder von Eltern zu kompensieren versucht. Die Folgen des Fachkräftemangels sind weiterhin enorme Unterrichtsausfallquoten vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik. Die

Die LINKE fordert deshalb, die gerechte Entlohnung der LehrerInnen und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen um die Ideen des integrativen Lernens umsetzen zu können. Denn nur so kann die Basis für eine nachhaltige Steigerung der Qualitätsstandards im Bereich der schulischen Bildung gewährleistet werden.