17. November 2011

Antje Jansen für ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen

Sehr geehrter Herr Präsident, Sehr geehrter Damen und Herren,

warum nicht einmal mit einem Zitat eines ganz Großen einleiten?

Mit Erlaubnis des Präsidenten zitiere ich….na… sie ahnen es:

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Meine Damen und Herren. Tierschützerinnen und Tierschützer kämpfen seit vielen Jahren dafür, dass die zitierte Realität, in der Wildtiere von uns Menschen gehalten werden, sich verändert. Zwar beschrieb Rilke in seinem Gedicht einen Zoo, allerdings ist das Leben vieler Wildtiere im Zirkus noch entscheidender eingeschränkt.

Wir haben einen Antrag in den Landtag eingebracht, der die Landesregierung dazu auffordert, sich einer Bundesratsinitiative anzuschließen, die das Ziel hat, die Haltung von bestimmten Wildtieren im Zirkus zu verbieten. Wir freuen uns natürlich, dass unser Vorschlag auf fruchtbaren Boden gefallen ist und die Landesregierung unseren Vorschlag offensichtlich umsetzen wird.

Allerdings wollen wir nicht nur dass, denn die Bundesratsinitiative hat einen entscheidenden Makel: Raubkatzen werden in ihrem Schutzkatalog nicht berücksichtigt. DIE LINKE möchte auch Raubkatzen unter den Schutz eines Gesetzes stellen.

Insbesondere Löwen haben ein hochentwickeltes Sozialverhalten, Tiger und andere Raubkatzen haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Ich möchte, dass auch diese Arten nicht im Zirkus leben müssen.

Ich möchte nicht missverstanden werden: Zirkusse und das Zirkusleben sind auch für mich eine faszinierende Kultur, gegen die ich überhaupt nichts einzuwenden habe. Die Haltung bestimmter Tiere im Zirkus allerdings kann nicht artgerecht sein.Schon das Leben in kleinen fahrbaren Käfigen, die ständigen Ortswechsel sind eine Tortur für Nashörner, Elefanten und Co.Wenn wir an eine Zirkusvorstellung denken, assoziieren wir lachende Menschen, freudige Kinder und großartigen Spaß für die ganze Familie.

Doch dass die Tiere dabei keinen Spaß empfinden, dürfte jedem klar sein. In Käfige gesperrt, in Ketten gelegt, zu Bewegungslosigkeit und Langeweile verdammt.

Sogenannte Elefantenhaken, Stöcke, Peitschen und Elektroschocker sind gängige Mittel um die Tiere dazu zu bringen, einen Kopfstand zu vollführen, durch Reifen zu springen oder auf einem Ball zu tanzen.

Diese Grausamkeiten sind kein Kulturgut meine Damen und Herren!

Es ist höchste Zeit die Haltung bestimmter Arten im Zirkus zu verbieten.

Länder wie Österreich, Dänemark, Schweden, England, Ungarn und Finnland haben bereits Verbote oder starke Einschränkungen erlassen.

Artikel 20a des Grundgesetzes erlegt uns den Schutz von Tieren auf.

Im Koalitionsvertrag von 2009 verspricht die FDP, sich für ein Haltungsverbot von Wildtieren einzusetzen, ist aber bisher untätig geblieben. Umso mehr freuen wir uns natürlich, dass es uns gelungen ist, die Koalition in Bewegung zu bringen. Wenn Sie sich jetzt auch noch für die Raubkatzen einsetzen. Wenn Sie jetzt in ihren Parteien dafür sorgen würden, dass diese Bundesratsinitiative nicht, wie 2003 im Sande verläuft, dann hätten Sie endlich mal etwas wirklich Gutes gemacht!

Es wird Zeit meine Damen und Herren, dass die Politik einschreitet und ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen erlässt.

Eine Zirkusshow ist auch ohne Kunststücke von Tieren und ohne exotische Wildtiere eine Attraktion.

Wahrscheinlich wird der Zirkus durch eine Absage an Wildtierhaltung auch nicht weniger, sondern mehr Zuschauerinnen und Zuschauer gewinnen können.

Ich gehe davon aus, dass Sie unserem Antrag zustimmen.

 

Vielen Dank!